In den letzten tagen…

…war es recht ruhig hier. Die Letzten Wochen waren für mich sehr schwierig – die Tage bestanden wieder deutlich mehr aus kämpfen, aus- und durchhalten, überleben und am ende des tages war einfach nichts mehr übrig. Die depression hatte mich im Griff und ich steckte fest in zermürbenden Gedankenspiralen, Selbsthass, Abwertung und unendlicher traurigkeit. Ich kämpfte gegen die bleierne Schwere, gegen tiefe Lebensmüdigkeit aber vor allem steckte ich in all dem fest. ich kam nicht mehr vor und nicht zurück, verlor immer mehr handlungsfähigkeit und hatte angst, mich vollkommen darin zu verlieren. Die flashbacks waren extrem und der Druck, wieder kontakt zu den Tätern aufzunehmen ebenso.
Ich weiß nicht genau, wann oder weshalb es besser wurde. So langsam wurde und wird es das aber und es gelingt mir, die negativen spiralen zu durchbrechen oder sie „anzuhalten“ Ich habe wieder das gefühl, mich „bewegen“ und handeln zu können und stecke nicht mehr ganz so fest.
Es ist immernoch schwierig aber leichter, als in den vergangenen tagen und ich kann wieder aktiver sein und dem ganzen mist etwas entgegensetzen. Zum schluss ging selbst das nicht mehr.

wmdedgt 08/16

Frau brüllen
Fragt wie jeden Monat: „was machst du eigentlich den ganzen tag?“
02.00 uhr: Der lieblingsjuri fährt nach Hause und ich falle ins Bett. Ich bin völlig platt und kann trotzdem nicht abschalten. Unser Gespräch hängt mir nach und die Gedanken schwirren durch meinen Kopf. Nicht greifbar, unsortiert und wirr.
03.00 Uhr: Es ist wie ein leises einrasten einer Tür – so langsam finden alle Gedanken ihren Platz. Das Gespräch war aufwühlend, anstrengend und gut.
06.30 Uhr: Die Nacht war unruhig und eindeutig zu kurz aber der Körper sagt dennoch, dass wir jetzt wach sind. Schlafen ist schwierig,auch ohne abendliche Gespräche. Ich überlege, ob ich aufstehen soll, entscheide mich dann aber für ein Buch und bleibe lesend im Bett.
08.50 Uhr: Das Buch ist spannend aber der hunger größer – also aufstehen, der allmorgendliche Gang ins Bad und dann ab mit dem Brötchen in den Ofen. Dabei feststellen, dass ich am Wochenende unbedingt backen muss. Während das Brötchen warm wird, gieße ich meine Zimmerpflanzen.
10.30 Uhr: Okay, heute ist also ein Tag, an dem alles etwas länger dauert. Ich habe Gefrühstückt, die Spülmaschine zu ende eingeräumt, Mails gelesen, eine Überweisung gemacht, twitter besucht und diesen Beitrag angefangen.

11.45 Uhr: Ich habe mit O. geschrieben, weil er noch einige Sachen hat, die er loswerden will und der Lieblingsjuri und ich davon das ein oder andere gebrauchen können. Da O. nicht da ist hat er nochmal beschrieben, was weg soll.

Irgendwie spinnt mein Kreislauf – alles dreht sich und mir ist übel.

13.00 Uhr: Ich habe die letzte Stunde lesend auf dem balkon verbracht. Der Wind ist recht kühl aber, wenn die Sonne durch die Wolken schaut ist es sehr angenehm.

14.30 Uhr: Ich habe gesportelt – mit meinem spinnenden kreislauf war das wohl keine sonderlich gute Idee, anschließend ging es unter die Dusche und ab in die küche eine Suppe kochen. Ja, mir war heute nach Nudel-gemüse-suppe.. Die wird jetzt gemütlich verputzt🙂

15.40 Uhr: Die Suppe war lecker und nebenbei hab ich dvd geschaut. Das kommt sehr selten vor, normalerweise läuft beim essen nur musik, wenn überhaupt aber heute war mir irgendwie danach.

16.45 Uhr: Die küche ist wieder aufgeräumt, ich habe noch eine mail beantwortet und beschlossen, dass ich die restlichen mails erst morgen schreibe. Für heute mache ich den Laptop aus – ich möchte mir heute nachmittag und abend Zeit zum lesen und vor allem zum meditieren nehmen. Gerade letzteres kam in den vergangenen Wochen und Monaten deutlich zu kurz.

Alltagszauber

…der geburtstag vom lieblingsjuri war sehr schön
…Karten für ein Gospelkonzert kommenden Samstag bestellt
…ich genieße das warme wetter sehr
…die letzten beiden tage waren nicht ganz so mühsam, schwer und anstrengend

Von unangenehmen verhaltensweisen, erkentnissen, vermeidung und einschränkungen

Wahrscheinlich wird dieser Beitrag genauso lang wie seine überschrift, falls ich die passenden Worte finde.
In den letzten Tagen hatte ich viel Zeit und Ruhe zum nachdenken und wie das manchmal so ist, wenn ich mir Verhaltensmuster und Situationen anschaue, dann „finde“ ich Dinge, die mir gar nicht gefallen.
Dieses mal ging es darum, dass ich bei vielen Situationen in letzter Zeit sehr passiv bin und bleibe und nur noch reagiere. Für mich ist das sehr untypisch. Ich verhalte mich eher aktiv und versuche, in einer „handelnden“ Position zu bleiben. Das zweite Muster ist, dass ich angefangen habe gründe zu suchen und sie dann vorzuschieben, um etwas nicht zu machen. Das lief nicht bewusst ab, war auch keine direkte Entscheidung. Irgend etwas lief ab und ich wunderte mich nur, warum ich mir während der Situation schon ordentlich auf die Nerven ging. Als ich entdeckte, was ich da „anstelle“, reagierte ich mit abwerten und nieder-machen. auch das war sehr typisch für die letzten Wochen. Ich habe noch nicht einmal angefangen mit einer sache und schon „musste“ ich sie kleinreden, abwerten, kaputt machen. In den moment, als ich herausfand was lief, wurde ich unglaublich wütend, konnte das allerdings stoppen.
Der grund für meine Wut war, dass das ein typisches verhalten meiner oma war und meine Mutter sich immernoch so verhält. Aus anderen Gründen und mit anderen ergebnissen aber das ist ein anderes thema. Mir ging es darum zu schauen, was bei mir abläuft und warum ich mich auf eine, für mich so untypische Art verhalte.
Dahinter stand ganz klar das vermeiden wollen von etwas.
Und dann landete ich bei meinen zwei „lieblingsthemen“: abhängigkeit und die eigenen einschränkungen.
In den letzten drei Jahren waren das genau die beiden Themen, mit denen ich, neben allem anderen, was eine ptbs mit sich bringt, am meisten zu kämpfen hatte.
Da war das gefühl, nicht mehr alleine weiterzukommen/weiterzukönnen, der versuch, Hilfe zu finden und die immer wiederkehrende ablehnung von verschiedenen Stellen.
Es gab die Schwierigkeiten mit den behörden, die sehr deutlich zeigen, wie abhängig ich von ihnen bin und die eben so deutlich zeigten, dass das amt eben nicht so gearbeitet hat, wie sie es hätten sollen.
Und es gab die vielen einschränkungen – physisch und psychisch, die sich manchmal nur schwer handhaben ließen.
Und am ende blieb immer wieder das Gefühl, auf mich selbst zurückgeworfen zu werden und alles „halten“ zu müssen, wovon ich vieles gar nicht „halten“ konnte. Es gab so oft momente, die ich als krisen bezeichnen würde, so viele situationen, denen ich völlig überfordert gegenüberstand und immer wieder hatte ich den gedanken: wenn diese oder jene psychische problematik nicht wäre, wenn ich dieses oder jenes könnte…dann. Nur, dass dieses …dann völlig unsinnig zu überlegen war.
eigentlich hatte ich immer das Gefühl, mich auf mich selbst verlassen zu können. Schließlich war das nicht die erste krise, nicht das erste Chaos, nicht die erste not aber in den letzten monaten ging mir diese sicherheit verloren. Zum einen, weil psychisch ein großes stück stabilität fehlte und mir damit auch ein großer teil von dem, was als funktionalität bezeichnet wird. Zum anderen aber auch, weil dieser Körper nicht macht, wie er soll und das auf verschiedenen ebenen.
Ich denke, dass dieser ganze Vermeidungseiertanz daher kam, mich nicht mehr mit all dem konfrontieren zu müssen. Nicht mehr damit, dass es dinge gibt, für die ich hilfe brauche (nicht gern hätte, sondern dinge, bei denen sie wirklich nötig ist), nicht mehr damit, dass ich abhängig bin von irgend etwas oder irgend jemandem, nicht mehr mit dem noch-nicht-oder-vielleicht-gar-nicht-können und auch nicht mehr damit, meine behinderungen immer und immer wieder erklären zu müssen. Ich habe irgendwann nicht mehr trennen können, dass das alles mal mit einem amt und zu vielen abgelehnten „Hilfsanfragen“ anfing. Dieser ganze „brei“ schwappte in jeden einzelnen bereich, in jeden. Was ich vermeiden wollte war auch das aushalten müssen von dem, was diese themen auslösen. Ich hatte das gefühl, so übervoll zu sein, dass es keinen platz mehr gab, um diese gefühle irgendwo hinzupacken. Ich fand den raum nicht mehr, in dem ich hätte in ruhe trennen, sortieren und vielleicht sogar verarbeiten können.
Und so kam es dann zu einer vermeidung, die natürlich in letzter Konsequenz noch mehr vermieden hat, als sie sollte und genau aus diesem Kreislauf muss ich wieder aussteigen.
Vermeidung tut mir nicht gut, sie nimmt zuviel raum ein und zu viel lebensqualität weg.
Ich muss deutlich mehr wieder in aktives Verhalten hinein, mich wieder mehr mit dem konfrontieren, was ist oder eben auch nicht ist.
Genau daran gilt es jetzt zu arbeiten.

Manchmal stehe ich auf meinem Balkon, lausche der Stille und klammere meine Finger um das kalte Geländer. Manchmal, so wie heute nacht, fühlt sich dieser Moment real und unwirklich gleichzeitig an. Das hier ist „meine“ Wohnung, mein leben, das bin ich/sind wir und gleichzeitig ist es das alles nicht. Das bin nicht ich, ist nicht mein Leben, ist nicht mein Platz, ist nicht meine Welt. Dann fühle ich mich so fremd, dass es körperlich weh tut, möchte davon laufen und weiß doch, dass sich dadurch nichts ändern würde. Dann möchte ich laut schreien – so lange, bis ich die einsamkeit aus mir herausgebrüllt habe und bleibe trotzdem stumm und beiße die Zähne zusammen aus Angst, doch „hörbar“ zu werden.
Ich fühle mich so oft in letzter Zeit einfach nur „unpassend“ – in mir und in dem Leben, das ich lebe. Es passt nichts – ich passe nicht.

Alltagszauber

…abends mit freunden auf dem balkon sitzen, lachen und reden und kein Ende finden
…warmer Sommerregen
…momente der stille
…badezusatz mit Lavendel
…Hummeln, Hummeln und noch mehr Hummeln in den Balkonkästen

Gemischtes

Heute Nachmittag war ich wieder meine übliche Zeit auf dem Crosstrainer und es hat gut getan. Ich dachte ja, ich würde länger brauchen, weil ich so lange Pause gemacht habe aber heute ging es richtig gut.
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Ich habe ein Angebot zum Thema Wassersport gefunden – speziell für menschen Mit Sehbehinderung. Segeln, Surfen, etc – an der Ostsee. Hach, und jetzt träume ich ein bisschen – vielleicht lässt sich das irgendwann mal umsetzen.
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Meine Nachbarn schauen Fußball (ich glaube, ich bin die einzige im Haus, die keinen Fernseher laufen hat) und ich bekomme alles mit. Die Kommentare sind herrlich, wahrscheinlich besser als das spiel an sich.
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Heute war ein guter „schreibtag“ und ich habe mich mit dem Laptop nach draußen verzogen. Irgendwie schreibt es sich draußen besser.

Eigentlich habe ich schon fast geschlafen – bis der Wind einen meiner Balkonstühle kräftig gegen das Geländer gedrückt und mich damit geweckt hat. Ich mag den Wind sehr gern – eigentlich aber heute abend ist er mir viel zu laut. Oder ich bin einfach zu angespannt, zu übermüdet, zu keine ahnung was. Jedes geräusch klingt doppelt so laut, lässt mich zusammenzucken und aufstehen um nachzuschauen, ob etwas passiert ist. Ja, ich weiß, passieren kann nichts (außer ein chaotischer balkon, wie immer nach diesen Stadtstürmchen) und trotzdem.
Den ganzen abend war ich schon sehr unruhig und angespannt, bin in der wohnung umhergelaufen und hatte ein gefühl von mich-bewegen-müssen-aber-nicht-bewegen-können. Einerseits fühlte ich mich getrieben – wollte ganz weit weg und andererseits fühlte es sich an, als würde mich etwas zusammendrücken und einsperren.

Vor zwei Jahren

Vor einem Jahr schrieb ich
diesen
Beitrag dazu und eigentlich könnte ich ihn, zumindest fast, auch für das vergangene Jahr übernehmen.
Es gab im vergangenen Jahr deutlich mehr Phasen, in denen es essenstechnisch gut lief, als es sie im ersten gegeben hat. Die essanfälle wurden weniger und auch die Phasen, in denen essen so gut wie gar nicht ging, kamen kaum vor. zur zeit stecke ich in genau so einer aber ich merke, dass es deutlich besser wird. Seit klar wurde, dass es viel mit

zu tun hat, ist das ganze handhabbarer geworden.
Immer wieder fand ich es sehr erschreckend, in wie vielen Situationen sich „schlechtes“ essverhalten eingeschlichen hat und das, wenn ich nicht aufpasse und hinschaue, immernoch macht.
Während mir im ersten Jahr eher die „lauten“ ursachen für Essanfälle aufgefallen sind, waren es im zweiten eher die „stillen“ emotionen, auf die ich mit altem Verhalten reagiert habe.
Alles in allem kann ich sagen, dass mir die auslöser für Essanfälle oder Hungerphasen deutlich eher bewusst werden und, selbst wenn ich in einen Essanfall rutsche, ich das sehr oft mittendrin auch stoppen kann. In den meisten Fällen merke ich allerdings vorher, dass da etwas schief läuft und ich mit essen reagieren will.
Ansonsten versuche ich weiter auf meinen Körper zu hören und darauf zu achten, ob ich wirklich hunger habe, ob es Durst ist oder etwas ganz anderes dahintersteht. Zu merken, wann ich satt bin, fällt mir immernoch sehr schwer und Portionsgrößen schätzen – achherje, entweder werden sie zu groß oder zu klein. Meine Küchenwaage ist also weiterhin unverzichtbar aber das ist auch okay so.
Meine Gedanken drehen sich immernoch sehr viel um Essen oder nicht essen. Vor einer Weile schrieb ich
nur in Gedanken
und dieser Text ist immernoch sehr aktuell.
Ich hoffe, dass ich diese Gedanken irgendwann loswerde und, dass irgendwann essen-nicht-essen nicht mehr die automatische Reaktion auf schwierigkeiten sein wird.

wmdedgt 07/16

Frau Brüllen fragt wieder: „was machst du eigentlich den ganzen tag?“
0.21 Uhr: Natürlich wollte ich schon längst im Bett sein und natürlich klappt das mal wieder so gar nicht. Dafür jetzt aber: licht aus.
08.00 uhr: Die Nacht war unruhig und ich bin müde. Macht aber nicht wirklich etwas, da das zur Zeit eh dauerzustand ist.
09.00 Uhr: Ich war im Bad und sitze jetzt mit Brötchen, Obstsalat und Kaffee beim Frühstück. Die Musik läuft und ich werde so langsam wach.
10.00 Uhr: Fertig gefrühstückt, alles wieder aufgeräumt und jetzt geh ich blogs, mails und Twitter nachlesen.

12.00 Uhr: Twitter, blogs und Mails habe ich gelesen, das Geburtstagsgeschenk für den Lieblingsjuri ist bestellt und eine Kanne Tee hab ich mir auch noch gekocht.

14.30 Uhr: Seit knapp drei Wochen hatte ich jetzt eine Zwangspause, was den crosstrainer angeht und obwohl er seit Freitag schon wieder läuft, bin  ich heute erst wieder drauf. Ich merke die drei wochen schon sehr, muss aber nicht ganz bei null anfangen. Heute war das Tempo recht langsam, da der Körper nicht so wollte, wie er sollte.

16.00 uhr: Ich habe mittagessen gekocht, mit dem Lieblingsjuri telefoniert und kurz mit O. geschrieben. Im moment donnert und regnet es hier ordentlich und ich habe gerade noch rechtzeitig das Küchenfenster geschlossen.

19.30 Uhr: ich war lange in der Badewanne und saß anschließend lesend auf meinem Balkon. Das Gewitter hat sich wieder verzogen und jetzt ist es nur noch windig – aber trotzdem schön.

Ich habe noch einen Blogbeitrag geschrieben, einige Seiten vom Buch weiter überarbeitet, noch ein bisschen haushaltskram erledigt und (gefühlte) unmengen an Tee vernichtet. Jetzt warte ich noch auf den Anruf vom Lieblingsjuri – vielleicht schaut er nachher bei mir vorbei. Ansonsten geht dieser ruhige Tag sehr ruhig zu ende🙂

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